Gusseisernen Zimmerofen

Aufbau eines gusseisernen Zimmerofens
Ein gusseiserner Zimmerofen bestand vollständig aus massiven Gusseisenteilen, die verschraubt oder verzapft waren. Typische Bauteile waren:
- Feuerraum: Hier wurde Holz oder Kohle verbrannt. Der Feuerraum war meist mit Schamotte ausgekleidet, um die Hitze zu speichern und das Gusseisen zu schützen.
- Aschekasten: Unter dem Feuerraum gelegen, diente er zum Auffangen der Asche und zur Regulierung der Luftzufuhr.
- Luftregler (Zugklappen): Über verstellbare Klappen ließ sich die Verbrennung steuern.
- Rauchgaszüge: Die heißen Rauchgase wurden im Inneren des Ofens gezielt umgelenkt, bevor sie in das Rauchrohr und den Kamin gelangten. Dadurch gab der Ofen mehr Wärme an den Raum ab.
- Ofenmantel: Der gusseiserne Korpus speicherte die Wärme und gab sie gleichmäßig als Strahlungs- und Konvektionswärme ab.
- Rauchrohranschluss: Verbindung zum Kamin.




Funktionsweise
Nach dem Anfeuern erwärmte sich das Gusseisen rasch und speicherte die Hitze. Durch die große Oberfläche des Ofens wurde die Wärme effizient an den Raum abgegeben. Im Gegensatz zu offenen Kaminen arbeiteten gusseiserne Zimmeröfen nahezu rauchfrei und mit deutlich besserem Wirkungsgrad.
Bedeutung
Gusseiserne Zimmeröfen waren im 18. und 19. Jahrhundert weit verbreitet und markierten einen wichtigen Schritt hin zur industriellen Heiztechnik. Sie ermöglichten erstmals eine flexible, raumunabhängige Beheizung und bereiteten den Weg für spätere Zentralheizsysteme.
Schematische Beschreibung eines gusseisernen Zimmerofens (von innen nach aussen)
1. Feuerraum
Im Feuerraum wurde Holz oder Kohle verbrannt. Er war oft mit Schamottesteinen ausgekleidet, die hohe Temperaturen aushielten und zusätzliche Wärme speicherten.
2. Rost und Aschekasten
Unter dem Brennstoff befand sich ein gusseiserner Rost. Asche fiel hindurch in den Aschekasten. Gleichzeitig strömte von unten Frischluft nach, was die Verbrennung regelte.
3. Rauchgasführung
Die heißen Rauchgase wurden im Inneren des Ofens über Umlenkungen geführt. Dadurch blieb die Wärme länger im Ofen und ging nicht sofort durch den Kamin verloren.
4. Ofenkörper aus Gusseisen
Der massive Korpus erhitzte sich schnell und gab die Wärme gleichmäßig an den Raum ab – als Strahlungswärme (direkt spürbar) und Konvektionswärme (erwärmte Raumluft).
5. Rauchrohr und Kamin
Erst nach dem Wärmeübergang verließen die Rauchgase den Ofen über das Rauchrohr in den Kamin.
Vergleich: Gusseiserner Zimmerofen vs. Kachelofen

Kurz gesagt
- Der gusseiserne Ofen liefert schnell Wärme, ideal für einzelne Räume.
- Der Kachelofen ist ein Langzeitspeicher und sorgt für gleichmäßige, langanhaltende Wärme.
Übergang zur Zentralheizung
Vor der Zentralheizung:
- Jeder Raum benötigte einen eigenen Ofen
- Hoher Arbeitsaufwand (Holz/Kohle schleppen, Asche entsorgen)
- Ungleichmässige Wärmeverteilung im Haus
Einführung der Zentralheizung (19. Jh.):
- Erste Systeme arbeiteten mit Dampf, später mit Warmwasser
- Wärme wurde von einer zentralen Feuerstelle über Rohre in mehrere Räume verteilt
- Heizkörper ersetzten Einzelöfen
Durchbruch im Wohnungsbau:
- Nach dem Ersten Weltkrieg
- Komfortgewinn: gleichmäßige Wärme, weniger Rauch, weniger Arbeit
- Ab Mitte des 20. Jh.: Öl, später Gas
Einordnung in die Heizgeschichte (Kurzüberblick)
- Römer: Hypokausten (Warmluft unter Böden)
- Mittelalter: Offene Feuerstellen, frühe Kachelöfen
- Frühe Neuzeit: Verbreitung des Kachelofens
- 18./19. Jh.: Gusseiserne Zimmeröfen (Industrialisierung)
- 20. Jh.: Zentral- und Fernheizungen
- Heute: Wärmepumpen, Solar, moderne Holzfeuerung